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Ästhetisch-Plastische Chirurgie heute und vor 30 Jahren - Interview mit dem DGÄPC Ehrenvorsitzenden Dr. Horst Sandner

Berlin, 24. Juli 2006: Als Chefarzt der Karlsruher Klinik für Ästhetisch-Plastische Chirurgie feiert Dr. med. Horst Sandner in diesem Jahr dreißigjähriges Jubiläum. In einem Interview verrät der Ehrenvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC), wie Plastische Chirurgie in Deutschland in den Siebzigern aussah und was sich seitdem verändert hat.

Herr Dr. Sandner, als Sie in den sechziger Jahren Ihr Medizinstudium begannen, befand sich die Plastische Chirurgie in Deutschland wenn auch nicht mehr in den Kinderschuhen, so doch zumindest noch in der Pubertät. Ihre Grundausbildung erhielten Sie in der Allgemeinchirurgie, der Unfall- und Transplantationschirurgie. Wie sind Sie auf die Plastische Chirurgie gekommen?

Dr. Sandner: Ich wollte in meiner Arbeit immer effektiv sein. Das gelingt in chirurgischen Fächern grundsätzlich besser als in anderen Zweigen der Medizin. Die allerhöchste Effektivität, der höchste Anspruch an das Operationsergebnis, wird in der Plastischen Chirurgie verlangt. Das war für mich der eigentliche Anreiz, mich intensiv mit diesem Fachgebiet zu befassen, das damals aber noch kaum bekannt und längst nicht als Fachgebiet anerkannt war.

Wie sah denn Plastische Chirurgie im Deutschland der Sechziger und Siebziger aus?

Dr. Sandner: Bis in die siebziger Jahre wurde Plastische Chirurgie nur an sehr wenigen Kliniken betrieben; an deutschen Universitäten war das Fach weit und breit nicht vertreten. Wer Interesse an diesem Fachgebiet hatte, musste ins Ausland reisen. In den USA, England und Frankreich war die Entwicklung weiter fortgeschritten und die dortigen Kollegen waren auch gern bereit, uns ihre Operationsmethoden zu zeigen. Eine kollegiale Zusammenarbeit existierte praktisch nur mit ausländischen Spezialisten. In Deutschland änderte sich das, als das Fachgebiet 1978 als eigenständiges Fach der Fachbezeichnung Chirurgie untergeordnet wurde.

Was ist Ihrer Meinung nach die größte Errungenschaft der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie der vergangenen drei Jahrzehnte?

Dr. Sandner: Für die Disziplin der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie ist es genau das: die Anerkennung als Teilgebiet der Chirurgie 1978. Die Zahl der qualifizierten Ärzte, der Abteilungen und Spezialkliniken stieg danach rasant an. Die weiteren Fortschritte und die Spezialisierung auf diesem Gebiet erforderten dann die Einführung eines eigenständigen Facharztes für Plastische Chirurgie im Jahre 1992.

Wenn es um die Eingriffe selbst geht, ist der wohl größte Meilenstein die Idee des französischen Frauenarztes Yves-Gerard Illouz, mit gynäkologischen Geräten subkutanes Fettgewebe abzusaugen. In Deutschland eingeführt wurde diese Methode 1981 auf einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie, wo französische Spezialisten die Fettabsaugung demonstrierten.

Gibt es einen “Klassiker” unter den ästhetischen Eingriffen – einen Eingriff, der sich bewährt und seit Einführung kaum verändert hat?

Dr. Sandner: Nein. Alle Eingriffe unterliegen einem stetigen Wandel. Die Fettabsaugung beispielsweise wurde technisch verfeinert, die Kanülen immer dünner. Zuerst saugte man eher die tiefen Fettdepots ab, um Komplikationen wie Unregelmäßigkeiten und Hautschäden zu vermeiden. Anfang der Neunziger stellte dann der Italiener Marco Gasparotti fest, dass sich die Haut besser der Körperform anpasst, wenn das Fett direkt unter der Haut entfernt wird.

In allen Bereichen waren und sind wir Plastischen Chirurgen immer bemüht, die Komplikationsrate zu senken, deshalb optimieren wir die Eingriffe laufend. Brustvergrößerungen beispielsweise, die seit 1964 mit Silikon-Implantaten vorgenommen werden, führten anfänglich bei fast der Hälfte der Patientinnen zu Kapselfibrosen. Das sind Verhärtungen um das Implantat herum, die zu tennisballartigen Deformationen führen können. Das Vorkommen von Fibrosen sank drastisch, nachdem wir feststellten, dass bei der Lage der Implantate unter dem Brustmuskel wesentlich weniger Kapseln auftreten als auf dem Brustmuskel. Ein weiterer Fortschritt war die Veränderung der Oberfläche der Implantate. Die glattwandige Oberfläche wurde durch eine strukturierte raue ersetzt. Heute zählt die Kapseloperation zu den seltenen Eingriffen. Durch den Einsatz spezieller Medikamente, atraumatischen Operierens und einer guten Drainage konnte ich die Fibroserate bei meinen Patientinnen unter ein Prozent senken.

Patienten informieren sich heute bereits im Vorfeld eines Eingriffs mithilfe der Medien und kommen häufig gut vorbereitet in das Beratungsgespräch. Welche Erfahrungen haben Sie vor dreißig Jahren gemacht? Haben die Patienten sich verändert?

Dr. Sandner: Vor dreißig Jahren kamen beinahe alle Patienten völlig ahnungslos in die Sprechstunde. Dass sie heute oft in der Lage sind, über Operationsverfahren zu diskutieren, liegt zum einen tatsächlich daran, dass sich die Informationsmöglichkeiten spätestens mit dem Internet stetig verbessert haben. Zum anderen stehen Patienten der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie heute aber auch generell offener gegenüber. Wurde in den siebziger und achtziger Jahren über Eingriffe der ästhetischen Chirurgie noch ein Deckmäntelchen des Schweigens gelegt, steigt heute die Zahl derer, die in ihrem Bekanntenkreis über ihre positiven Erfahrungen damit berichten.

Heißt das, dass sich die Einstellung der Öffentlichkeit gegenüber der Schönheitschirurgie verändert hat?

Dr. Sandner: Ja. Das Interesse an ästhetischen Eingriffen war immer schon vorhanden, doch vor dreißig Jahren war es Ärzten noch verboten, über eigene Operationsverfahren oder die Möglichkeit der Behandlung öffentlich zu berichten. Die Öffentlichkeit war also uninformiert und stand deshalb der Plastischen Chirurgie ängstlicher und damit kritischer gegenüber. Der Bundesgerichtshof lockerte diese rechtlichen Einschränkungen in den letzten Jahren. Seitdem ist die Einstellung der Öffentlichkeit immer positiver geworden, das Interesse ist ständig gestiegen.

Werfen Sie einen Blick in die Zukunft – was sind Ihre Prognosen?

Dr. Sandner: Grundsätzlich sage ich: Es werden weitere Verbesserungen eintreten. Die Zahl der qualifizierten Spezialisten und das Interesse unserer Patienten an der Plastischen Chirurgie werden steigen. Was ich mir wünschen würde, wäre eine Regelung, dass auch nur die qualifizierten Spezialisten in der Ästhetischen Chirurgie tätig sein dürfen. Nach wie vor ist es jedem approbierten Arzt gestattet, alle Operationen durchzuführen, die er sich zutraut. Und so haben wir das Dilemma, dass sich Allgemeinmediziner, Hautärzte, Frauenärzte, Sportärzte, Orthopäden und Zahnärzte mit Eingriffen der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie befassen dürfen, obwohl sie das als Autodidakten betreiben und so der so genannten “Schönheitschirurgie” mitunter zu Negativschlagzeilen verhelfen.

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Pressekontakt:

Bianca Sablowsky
DGÄPC Pressestelle
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bianca.sablowsky@dgaepc.de