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Investition in die eigene Schönheit - Wie krisensicher ist Ästhetisch-Plastische Chirurgie?
Berlin, 1. Dezember: Interview mit den Vorstandsmitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie e. V. (DGÄPC) zur wirtschaftlichen Lage der Schönheitskliniken in Krisenzeiten.
Wie macht sich die wirtschaftliche Rezession in der Ästhetischen Medizin bemerkbar, geben die Menschen in Krisenzeiten weniger für Ihre Schönheit aus?
Dr. med. Joachim Graf von Finckenstein: „Anders als in Frankreich oder den USA hat die Wirtschaftskrise in den deutschen Kliniken für Ästhetisch-Plastische Chirurgie nicht so eine nachhaltige Wirkung gezeigt. Eine Erklärung könnte sein, dass Menschen in dieser Zeit in solidere Wertschöpfungen investieren als zum Beispiel in Geldfonds. Bei einem Geldfonds weiß ich in Krisenzeiten nicht, was aus dem Geld wird, eine seit langem aufgeschobene Investition wie ein ästhetischer Eingriff hingegen scheint hier plausibler. Generell ist die Wirtschaftskrise für meine Patienten bisher kein Thema. Sollte die Rezession allerdings noch weiter anhalten, ist denkbar, dass wir es nächstes Jahr zu spüren bekommen.“
Viel zitiert ist der Rückgang der US-Umsätze bei Botoxbehandlungen. Gibt es in deutschen Schönheitskliniken Einbußen, Schwankungen oder Umgestaltungen?
Dr. med. Regina Maria Wagner: Der Patientenstrom ist unverändert. Ich kann aber nur über die Patienten sprechen, die kommen. Vielleicht würden ja noch mehr kommen? 2003 war wie bei vielen Kollegen ein spürbarer Rückgang zu verzeichnen, der sich durch den Zusammenbruch des neuen Marktes nach dem 11. September und durch die Einführung des Euros 2002 erklären lässt. Die Bevölkerung hat erst 2003 ernsthaft realisiert, dass alles doppelt so teuer geworden ist. Die Zahlen aus den USA sind mir nicht bekannt, allerdings wurde dort Botox, wie Anderes auch, übertrieben eingesetzt (mimikstarre Gesichter). Eventuell haben sich die Kollegen damit den Markt abgegraben. Zum anderen stellt sich bei den Patienten auch irgendwann eine gewisse „Spritzenmüdigkeit“ ein und es werden andere Maßnahmen gefragt. Generell investieren Patienten in ihr Aussehen, denn das ist krisensicher. Was mit dem Geld auf der Bank passiert, ist momentan nicht sehr erfreulich.
Gibt es neue Entwicklungen oder Trends, die sich auf die Krise zurückführen lassen?
Dr. med. Hans-Detlef Axmann: „ Meiner Meinung nach, ist die Nachfrage in der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie nach wie vor unbegrenzt. Was jedoch auffällt: Patienten fragen kritischer nach, welche Leistungen sie für Ihr Geld bekommen. Zum Beispiel, ob der Klinikleiter selbst operiert oder welche Materialien genutzt werden. Auch die Frage nach Finanzierungsmöglichkeiten hat in den letzten Monaten deutlich zugenommen, was natürlich nicht unweigerlich mit der wirtschaftlichen Lage in Zusammenhang gebracht werden muss. Der Trend geht eindeutig zu non- und minimal-invasiven Eingriffen, die eine schonende Verjüngung bei kurzer Heilungszeit mit sich bringen. Die Nachfrage nach Botox zum Beispiel ist in unserer Klinik regelrecht explodiert. Generell stehen schonende Behandlungen ohne Skalpell zurzeit deutlich im Vordergrund. Für Patienten ist es heute wichtig, möglichst schnell wieder gesellschaftsfähig zu sein.“
Viele sprechen von allgemeiner Verdrossenheit, Konsumflaute und Krisenstimmung. Ist die Krise für Ihre Patienten und Mitarbeiter ein Thema?
Dr. med. Lutz Kleinschmidt: „Seit etwa einem Jahr werde ich deutlich mehr nach Ratenzahlungen gefragt, dies könnte mit der Krise zusammenhängen, das Wort Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit oder gar Finanzkrise ist dabei aber nie explizit gefallen. Insbesondere die nichtoperativen Behandlungen wie “Botox” werden nach wie vor nachgefragt. Insgesamt ist die Stimmung gut, die Krise war bisher aus meiner eigenen Erfahrung und auch bei befreundeten Kollegen kein Thema. Falls es nicht noch zu Massenentlassungen oder hoher Inflation kommt, wird die Wirtschaftskrise die Plastische Chirurgie meines Erachtens nicht deutlich fühlbar betreffen. Ich glaube, das Bedürfnis, sich persönlich attraktiv oder gut und gesund zu fühlen ist in großen Teilen der Gesellschaft deutlich ausgeprägt. Diese Gruppe wird eher auf anderen Luxus verzichten als zum Beispiel auf die regelmäßige Faltenkorrektur.
Vorstandsmitglieder:
Dr. med. Joachim von Finckenstein (Präsident)
Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie,
Praxisklinik in den Seearkaden, Starnberg
Dr. med. Regina Maria Wagner (Schatzmeisterin)
Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie,
Fachärztin für Chirurgie,
Praxisklinik AlsterCity, Hamburg
Dr. med. Hans-Detlef Axmann (Sekretär)
Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie,
Facharzt für Chirurgie,
Klinik am Aegi – Fachklinik für Ästhetische Chirurgie, Hannover<
Dr. med. Lutz Kleinschmidt (Schriftführer)
Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie,
Parkklinik Schloss Bensberg, Bergisch Gladbach
Pressekontakt:
Bianca SablowskyDGÄPC Pressestelle
030 / 88 71 02 - 27
bianca.sablowsky@dgaepc.de
