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Mit den Augen eines Psychologen - DGÄPC: Plastische Chirurgen müssen körperdysmorphe Störungen erkennen
Berlin, 19. September 2006: Bei der Dysmorphophobie handelt es sich um eine psychische Störung. Betroffene fühlen sich durch einen für andere kaum oder gar nicht erkennbaren körperlichen Makel stark entstellt. Dysmorphophobiker sehen ihr Problem nicht als ein psychisches an. Daher suchen sie Hilfe nicht beim Psychologen, sondern eher beim Plastischen Chirurgen – wobei ein ästhetischer Eingriff das Leiden in den seltensten Fällen beseitigt. Plastische Chirurgen müssen diese Störung erkennen können, fordert die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC).
“Bei Patienten, die immer wieder mit immer anderen Makeln in die Beratung kommen, muss ein seriöser Plastischer Chirurg aufhorchen”, fordert Dr. Rolf Kleinen, Präsident der DGÄPC. “Besonders dann gilt es, genau hinzuhören, wenn der Makel dem erfahrenen Chirurgen unauffällig oder sogar unsichtbar erscheint.” Korrigierende Eingriffe ändern für die meisten Dysmorphophobiker nichts an dem zwanghaften Drang, sich hässlich zu fühlen. “Ist der Makel korrigiert”, so das Aachener DGÄPC-Mitglied Dr. Gertrud Ginsbach, “verlagert sich der Zwang bei vielen Betroffenen auf andere Körperteile. Andere der Patienten bleiben selbst nach mehreren Eingriffen unzufrieden mit dem Operationsergebnis.”
Mindestens eine Stunde pro Tag beschäftigt sich ein Dysmorphophobiker mit seiner vermeintlichen Entstellung. Er betrachtet sich häufig im Spiegel und macht sich ständig Gedanken um sein Aussehen. Schon vor Ausbruch der psychischen Erkrankung leiden viele Betroffene unter mangelnder Selbstsicherheit, Minderwertigkeits- und Schamgefühlen. Angstzustände und reizbare oder aggressive Verstimmungen treten ebenso häufig auf. Später bremsen die krankhafte Selbstbeobachtung und die Furcht vor der Beurteilung durch andere alle Aktivitäten aus; der oder die Betroffene zieht sich zurück und vereinsamt.
Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) trifft die auch als Schönheitshypochondrie bezeichnete Krankheit vor allem Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren. Nicht selten hält sie bis ins hohe Alter an. Vor allem bei jungen Mädchen übersieht die Umwelt die Störung oft, weil die Betroffenen das wahre Ausmaß der psychischen Belastung schamhaft verschweigen.
“Schon während der Facharztausbildung muss ein angehender Plastischer Chirurg für dieses oft nur schwer erkennbare Krankheitsbild sensibilisiert werden”, fordert DGÄPC-Präsident Kleinen. “Ein seriöser Chirurg rät einem Dysmorphophobiker von einem ästhetischen Eingriff ab und empfiehlt ihm einen Psychologen.”
Pressekontakt:
Bianca SablowskyDGÄPC Pressestelle
030 / 88 71 02 - 27
bianca.sablowsky@dgaepc.de
