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Schönheitsgeheimnisse brasilianischer Frauen - Interview zum Stellenwert von Ästhetik im Land des schönen Fußballs

Berlin, 03. Mai 2006: Brasilianische Fußballstars gelten als technisch brillant und innovativ. Plastische Chirurgen genießen in der Heimat von Pelé und Ronaldo einen ähnlichen Ruf und die Brasilianer verehren sie genauso wie die Dribbelkünstler. Zum Schönheitschirurgen gehen Einwohner von Rio wie Münchener zum Friseur. Bald kommt der fünffache Weltmeister nach Deutschland – Zeit, sich das Land des schönen Fußballs mal genauer anzusehen. Dr. Hermann Solz, Sekretär der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) und Deutsch-Brasilianer mit Facharztanerkennung und Weiterbildungsermächtigung in beiden Ländern, vergleicht den Stellenwert Ästhetisch-Plastischer Chirurgie und verrät das Schönheitsgeheimnis brasilianischer Frauen.

Herr Dr. Solz, Sie praktizieren seit 17 Jahren in Deutschland. Vorher haben sie sieben Jahre in Santos in Brasilien operiert und gelehrt, wo sie seit 2005 nun wieder Blockvorlesungen an der Universität Santa Cecilia abhalten. Damit kennen Sie die Besonderheiten Ästhetisch-Plastischer Chirurgie in beiden Ländern. Wie unterscheiden sich Ihrer Erfahrung nach deutsche Patienten von den brasilianischen?

„Brasilianische Patienten kommen schon viel besser informiert in das Beratungsgespräch. Sie erfragen nur Details, den Deutschen fehlt oft noch das Grundwissen zu einem Eingriff. Das liegt einerseits daran, dass man in Brasilien sehr offen über ästhetische Eingriffe spricht. Andererseits ist die dortige Fachgesellschaft, die Sociedade Brasileira de Cirurgia Plastica, viel größer und wesentlich aktiver, auch was die Pressearbeit angeht. Der Kenntnisstand in Deutschland hat sich in den letzten Jahren aber schon wesentlich verbessert.“

Deutsche Patienten legen großen Wert auf Natürlichkeit. Zwar soll das Umfeld eine Verbesserung wahrnehmen, jedoch den Besuch beim Schönheitschirurgen nicht wirklich bemerken. Wie ist das Verständnis in Brasilien?

„Auf der einen Seite sind sich Brasilianer und Deutsche da sehr ähnlich. Oberste Priorität in der brasilianischen Ästhetischen Chirurgie ist ein alltagstaugliches, natürliches Gesicht, keine Maske. Im Gegensatz zu den USA, da gilt das Prinzip „no wrinkles“, Gesichter werden oft viel zu stark gestrafft. Andererseits gehen die Brasilianer wie gesagt sehr offen mit ästhetischen Eingriffen um. Als meine Frau in Brasilien war, wurde sie Zeuge, wie eine Kundin in den Friseursalon kam, die Bluse aufknöpfte und rief: „Guckt mal her, meine neuen Brüste! Ich habe eben die Fäden gezogen bekommen. Sehen die nicht toll aus?“ Ein solches Verhalten wäre in Deutschland undenkbar.“

Ästhetische Eingriffe als Statussymbol?

Tatsächlich, ja. Während deutsche Patienten nach einer Nasenkorrektur für ein paar Tage das Haus nicht verlassen, tragen Brasilianer stolz ihr Pflaster oder ihren Gips spazieren. Es ist auch ganz normal, für eine neue Nase einen Kredit aufzunehmen. So normal, dass die Banken dafür sogar Antragsvordrucke parat haben.

Warum gilt Schönheit in Brasilien als so wichtig?

Zum einen ist das die Mentalität der Brasilianer: Das Äußere muss gut herausgeputzt sein, um neugierig auf die inneren Werte zu machen. Doch diese sehr hohen Ansprüche an das Äußere ergeben sich auch einfach aus der Tatsache, dass in Brasilien jährlich zehn Monate Strandwetter vorherrscht. Woran denken Sie bei Brasilien? An Strand und Karneval – beides Anlässe, zu denen Frauen sich nur knapp bekleiden. Deshalb sind übrigens auch Povergrößerungen in Brasilien so populär: Ausgeglichene Körperproportionen werden viel wichtiger, wenn Frauen sich oft im Bikini zeigen. Andererseits hat die axilläre Brustvergrößerung über einen fast unsichtbaren Schnitt in der Achselhöhle anstatt unter der Brust, wo eine größere Narbe bleibt, in Deutschland viel schneller an Popularität gewonnen – weil Brasilianerinnen sich zwar oft im Bikini, aber doch nie „oben ohne“ zeigen.“

Definieren Sie das Schönheitsgeheimnis brasilianischer Frauen…

„Ich denke, das liegt einerseits im Temperament begründet, andererseits in der Erziehung. Eine Frau soll sich grazil bewegen, das lernen die Mädchen von ihren Müttern. Es ist die Pflicht einer brasilianischen Frau, Frau zu sein und das auch auszustrahlen. Übrigens gelten diese hohen Ansprüche nicht nur für Frauen. Männer müssen auch eine gewisse Attraktivität und Vitalität vorweisen.“

Brasilianische Plastische Chirurgen gehören weltweit zur Elite. Wie erklären Sie sich diesen hohen Qualitätsstandard?

„Das ist das Resultat ganz normaler Marktprozesse: Dadurch, dass in Brasilien sehr offen über Ästhetische Chirurgie gesprochen wird, funktioniert die Auslese über Weiterempfehlungen beziehungsweise Kritik. In Deutschland versagen diese Mechanismen, weil das Thema peinlich ist und man nicht darüber redet. Je mehr die Ästhetisch-Plastische Chirurgie in Deutschland enttabuisiert wird, desto weniger werden schlechte Operateure zu tun haben. Außerdem hat der Brasilianer Professor Ivo Pitanguy, der zu den Vätern der Plastischen Chirurgie gezählt wird, mit seinem Können außergewöhnlich hohe Parameter festgelegt, an denen sich brasilianische Chirurgen messen.“

Was können sich deutsche Schönheitschirurgen von den Brasilianern abgucken?

„Mir fällt auf, dass deutsche Chirurgen den Patienten oft gar nicht richtig zuhören. Was sind deren Wünsche? Die eigene Meinung ist dabei doch zweitrangig. Außerdem sollten Patienten ehrlich aufgeklärt werden: Was kann ich mit welchem Aufwand realisieren, wo sind meine Grenzen?“

In Deutschland machen rein ästhetische Eingriffe etwa ein Viertel aller Plastischen Operationen aus, zu denen auch rekonstruktive, hand- und verbrennungschirurgische Eingriffe gehören. Wie hoch schätzen Sie diesen Anteil in Brasilien?

„Fünfzig-fünfzig, wenn nicht noch mehr. Allerdings ist der Übergang von Ästhetischer zu Wiederherstellungschirurgie fließend. Auch die einfache Rekonstruktive Chirurgie hat in Brasilien übrigens einen höheren Stellenwert als hier. Die Primärversorgung für Verunfallte ist wesentlich besser als in Deutschland. In jedem Krankenhaus mit Akutversorgung gibt es eine Abteilung für Plastische Chirurgie und zu jeder Tages- und Nachtzeit einen diensthabenden Plastischen Chirurgen, der sofort dazugerufen wird, wenn beispielsweise ein Patient mit einer Gesichtsverletzung eingeliefert wird.“

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Pressekontakt:

Bianca Sablowsky
DGÄPC Pressestelle
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bianca.sablowsky@dgaepc.de